Projektinfo

Basisdemokratische Meinungsbildung durch Vollversammlung

Die jüngsten Protestbewegungen in aller Welt, so unterschiedlich sie auch ablaufen, haben ein einzigartiges und erstaunlicherweise dennoch gemeinsames Werkzeug der gemeinwohlorientierten Bürgerbeteiligung hervorgebracht: Die Vollversammlung – nach spanischem Vorbild auch Asamblea genannt.

Die Vollversammlung (Asamblea) verzichtet auf hierarchische Strukturen, wie sie sonst in unserer Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik anzutreffen sind. Stattdessen wird der gemeinsame Dialog und die basisdemokratische Konsensfindung bei Gleichberechtigung aller Individuen gelebt.

Die Asamblea ist ein Instrument für basisdemokratische Meinungsbildung. Sie ist sowohl ein Ort, als auch eine Versammlung von Menschen. Die Versammlung finden in der Regel an einem Ort statt, der für jeden leicht zugänglich und einfach zu erreichen ist. Deshalb bieten öffentliche Plätze ideale Voraussetzungen, um eine Asamblea abzuhalten.

Als eine Versammlung von Menschen ist die Asamblea die basisdemokratische Zusammenkunft freier Individuen zum konstruktiven kommunikativen Austausch. Die Asamblea stützt sich auf das Paradigma kollektiver Intelligenz und sieht sich als Gegenentwurf zu konkurenzorientierem Kampf.

Zu Konsensentscheidungen kommt es durch ausführliche, konzentrierte und respektvolle Kommunikation miteinander. Die neuen Lösungen bilden sich im Laufe des Gesprächs. So lange Widersprüche zu einem Punkt signalisiert werden, werden die Begründungen dieser Widersprüche gehört und ebnen im besten Fall den Weg für Alternativlösungen, die widerspruchslos angenommen werden können.

Es ist niemand gezwungen sich an Ergebnisse von Abstimmungen zu halten, denn echte Demokratie schliesst ein Verständnis und ein Bewusstsein für eigenverantwortliches Handeln mit ein.

Eine Asamblea eröffnet also dem Einzelnen die Möglichkeit sich öffentlich zu äussern und seine Meinung zu den jeweiligen Themen der Asamblea auszudrücken.

Die Asamblea kann Aufgaben an Organisationsgruppen verteilen, die dann ausserhalb der Asamblea gemeinsam an Themen, Projekten oder Lösungsvorschlägen arbeiten. Wichtig dabei ist, dass die Aufgaben deutlich umrissen und formuliert werden, und dass allen Beteiligten klar ist, dass die Bürgerversammlung nur Aufgaben und nicht Kompetenzen und Verantwortung delegiert. Dementsprechend sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen an die Asamblea zur gemeinsamen Entscheidungsfindung zurück zu geben.

Eine Asamblea kann wie folgt ablaufen:

    1. Begrüssung durch den von Asamblea zu Asamblea wechselnden Moderator, der die Einhaltung der Regeln, Sprechzeiten und Sprechreihenfolge überwacht.
    2. Erinnerung an die Gesten (Handzeichen), die während einer Versammlung benutzt werden um nonverbal Zustimmung, Ablehnung oder Einspruch etc. zu signalisieren.
    3. Lautes Vorlesen der Tagesordnung bzw. Aufnahme von Tagesordnungspunkten
    4. Abhandlung der Tagesordnungspunkte
    5. Fazit und Bekanntgabe von Ort und Zeit der nächsten Versammlung.

Die Konsensfindung über Vollversammlungen stellt eine interessante Alternative dar, um gemeinsame Lösungen zu finden, anders als bei klassischen Abstimmungsverfahren, Diktatur-formen oder Hierarchie-mustern.

Quellen: aCAMPadaBerlin, echte-demokratie-jetzt.de